Verbindungen und Rechtsradikalismus

Jedes Mitglied des Lassalle-Kreises ist zugleich Mitglied der SPD und teilt somit sozialdemokratische Grundüberzeugungen, wie z.B. Freiheit - Gerechtigkeit - Solidarität. Jedoch stellen Genossinnen und Genossen innerhalb der Verbindungsmitglieder nicht die Mehrheit, da aufgrund der Ursprünge der Korporationen eher noch das bürgerlich-konservative Milieu überwiegt.

Ferner ist es nicht von der Hand zu weisen, dass es innerhalb der weit über 1.000 Korporationen in Deutschland mit fast 100.000 Mitgliedern einzelne, wenige Mitglieder gibt, die dem Rechtsradikalismus, in Ausnahmefällen sogar dem -extremismus nahe stehen, bzw. als Verbindung eine solche Gesinnung nicht unterbinden. Hier leistet der Lassalle-Kreis, z.B. durch Gespräche und Vorträge, eine wertvolle Arbeit, um einem Ausbreiten von radikalem Denken innerhalb der Studierendenschaft vorzubeugen.

Wie bewerten Sie das Thema "Verbindungen und Rechtsradikalismus", kann der Lassalle-Kreis hier einen wichtigen Beitrag leisten? Bitte kommentieren Sie.

Vorab als weiterführender Einstieg in das Thema ein Essay unseres Mitglieds Prof. Dr. Günter Hennersdorf: Stehen Korporationen politisch rechts, und wenn ja - wie weit?

Weiterführende Links:

Kommentare

Sehr geehrter Herr Prof.Dr. Hennersdorf,

vielen Dank für Ihre o.g. Ausarbeitungen, der ich nahezu komplett zustimmen kann. In einigen Nuancen ergeben sich für mich andere oder ergänzende Sichtweisen. Was mich, der ich kein Burschenschafter bin, an einer weitverbreiteten Darstellung der Korporationen in unserer Mediokratur stört, ist die Tatsache, daß sogar von ernstzunehmenden Journalisten - unreflektiert - in geradezu "zu Guttenbergschen" Manier - ein Korporiertenbild gezeichnet wird, wie es in Extremenfällen zwischen 1900 und 1930 vorgekommen sein mag. Doch heutzutage ist das typisch dargestellte Bild mit dem Monokel, der Uhrenkette, den 25 "Schmissen", der Mode der Jahrhundertwende über dem dicken Bauch und natürlich "dicke" Zigarren rauchend usw.. völlig unangemessen. Um sich mit der Unterwanderung eines Dachverbandes "von rechts" zu befassen (und weitere politische Radikalisierungen zu verhindern), sollte - gerade auch bei Journalisten - einmal ein vorurteilsfreies Herantasten und ein gerütteltes Maß an Eigenrecherche (und nicht das bislang übliche billige Abschreiben von Klischees) praktiziert werden. Gerne werde ich meine Kenntnisse und Sichtweisen zu diesem Thema in eine vernünftige Diskussion einfließen lassen. Gruß Gast Palstek

Sehr geehrter Herr Palstek, ich kann Ihnen nur zustimmen, denn auch ich leide unter der mediendiktierten Klischeevermittlung des Bierstudenten mit Schmiss, der volkstümelt und das Wort "Patriotismus" durch "Nationalismus" ersetzt. Nun habe ich vor allem auf die Burschenschaften abgehoben, und bei denen ist ja vor Kurzem auf dem Burschentag ziemlich rechtes Gedankengut versprüht worden. Mein Bund gehört glücklicherweise nicht zu dem Verein, der allerdings auch liberalere Bünde in Form einer schweigenden Mehrheit beinhaltet. Also unsere Wachsamkeit sollte dazu führen, diese Verirrungen ("Mitglieder-Ariernachweis") so öffentlich wie möglich zu machen und sich davon zu distanzieren. Dem dienen auch die Presseerklärungen des LK. Nichts ist wichtiger als öffentliche Stellungnahmen. Gruss Hennersdorf

Sehr geehrter Herr Prof.Dr.Hennersdorf,

die Problematik, die Sie ansprechen, ist (leider) noch viel differenzierter zu betrachten: Wir alle wissen, daß die mit großem Abstand überwiegende Mehrheit der Korporationen sich inmitten der Gesellschaft befinden und auf der Basis des Grundgesetzes agieren. Wir wissen auch, daß die wenigsten Korporationen "politisch" (mit politischen Zielen) ausgerichtet sind. Gerade bei Burschenschaften (einer der wenigen Dachverbände, der politisch ausgerichtet ist) ist in den vergangenen 40 Jahren der Einfluß der (mittlerweile breitgefächert-eher "liberal" motivierten) Altherrenschaften stetig zu Gunsten der "Aktivitates"(der derzeit Studierenden)zurückgenommen worden. (Dies ist eine fatale Folge des pauschalen Verunglimpfens des "Muffs von tausend Jahren"...). Bei einer vernünftigen Diskussion innerhalb eines Bundes - einer Diskussion bei der "Alte Herren" gleichberechtigt mit den "Aktiven" diskutieren - bei so einer Diskussion würde die Vernunft, Weisheit und Abgeklärtheit der "Alten" einen derart blödsinnigen und schädigenden Antrag, wie ihn die Burschenschaft der Radceks zu Bonn beim diesjährigen Burschentag stellen wollte, verhindern. Bereits in meiner Aktivenzeit ist mir ein Phänomen aufgefallen, daß - ganz besonders "querdenkende"- aktive Korporierte, sich in der Rolle gefallen, die ihnen von faschistoid ausgerichteten Gruppierungen oktoyiert wurde und wird, und geradezu aus boshafter Reaktion auf - teilweise staatlich protegierte - Straftaten gegen Person und Eigentum mit diebischer Freude und bewußt provokant versuchen, dem (ungerechtfertigtem) klischee zu entsprechen. Wir wollen nicht vergessen, daß dieses Phänomen eine (nicht gut zu heißende) Reaktion auf teilweise skandalöse Verhältnisse (eine Gruppe in Göttingen entblödete sich nicht, vom "totalen Krieg gegen Burschifaschos" zu sprechen) darstellt. Das eigentlich bemerkenswerte ist, daß die Altherrenschaften der Burschenschaft nicht mehr in der Lage sind, derart provokativ agierende Bundes-und verbandsbrüder in die Schranken zu weisen. Ich erinnere mich noch an eine "erzieherische Maßnahme" einer burschenschaftlichen Altherrenschaft Anfang der 90iger, die einen derartigen Provokateur in ihrer Aktivitas hatten (er diskriminierte gerne mit "kaiserdeutscher Terminologie" die Franzosen). Die Altherrenschaft stellte ihn damals vor die Wahl, entweder den Bund verlassen zu müssen, oder aber sein Studium in Frankreich fortzusetzen. Den fälligen Französischkurs boten sie ihm an, zu übernehmen. Heute ist dieser Korporationsstudent mit vielen Franzosen befreundet und vertritt innerhalb seines Bundes eine sehr liberale Position -

Bald wieder mehr... Gruß Palstek