Zum Verhältnis von Sozialdemokratie und studentischen Verbindungen

Klischees bestimmen unser Denken. Voller Klischees und Vorurteile ist auch die Sicht der Gesellschaft auf das studentische Verbindungswesen. Fragt man einen Nichtakademiker, ob ihm der Begriff der Studentenverbindung etwas sage, wird er dies wohl bejahen. Gehört hat jeder davon. Fragt man dann, was eine Studentenverbindung nach seinen Vorstellungen ausmacht, dann wird er wohl erstens Alkohol, zweitens vielleicht Fechten und sodann das Kontakteknüpfen nennen. Es kommt hin und wieder auch vor, dass der Begriff „Verbindung“ im Sinne von Karrierenetzwerk verstanden wird - nach dem Motto „über gute Verbindungen verfügen“.

Vom AKSK zum Lassalle-Kreis

In der Frühzeit der Sozialdemokratie bestand kein Widerspruch zwischen Parteimitgliedschaft und Korporationszugehörigkeit. Ferdinand Lassalle, Wilhelm Eichhoff und Wilhelm Liebknecht seien als Beispiele genannt. Während bis zum Ende des Kaiserreiches Doppelmitgliedschaften nicht ungewöhnlich waren, veränderte sich mit dem Jahr 1918 die Ausrichtung vieler Verbindungen. Doppelmitgliedschaften wurden weniger, standen aber bis Anfang der 50er Jahre nie ernsthaft zur Debatte.

"Rote Fahnen, bunte Bänder" - das Buch des Lassalle-Kreises

Wussten Sie es? Bedeutende Sozialdemokraten und Vordenker der sozialen Demokratie waren Mitglieder studentischer Korporationen. Zu ihnen gehörten Ferdinand Lassalle, Wilhelm Liebknecht, Eduard David, Karl Barth, Paul Tillich, Fritz Bauer, Ludwig Bergsträsser, Detlef Carsten Rohwedder. Für sie vertraten SPD und Korporationen ähnliche Überzeugungen: gelebte Solidarität, eine demokratische Diskussionskultur, lebenslange Weggenossenschaft.

Zusammenhalt ohne Schmiss: Damenverbindungen heute

Seit Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts hatten Frauen endlich Zugang zu Universitäten und wurden zu Prüfungen zugelassen. Von Beginn an gründeten sich auch Damenverbindungen, die erste war 1899 der in Bonn gegründete „Club der Namenlosen“. Die männlichen Korporierten unterstützten diese Gründungen mal mehr, mal weniger. Es folgten viele weitere Stiftungen, entsprechend der steigenden Zahl der Studentinnen, und bis 1933 gab es etwa 100 Damenbünde im Deutschen Reich. Das NS-Regime verbot diese genauso wie die Männerbünde.

Seiten